Ein kleines Sonnenfinsternis-Tagebuch

Wie allseits bekannt, fand am 11. August 1999 eine totale Sonnenfinsternis über Süddeutschland statt. Das folgende sind ein paar persönliche Notizen zu diesem Ereignis (und weiter unten gibt es auch noch ein paar Bilder).

Bad Friedrichshall-Plattenwald, 06:45 Uhr
Den Rolladen hochgezogen und leise geflucht - das nennt man dann wohl eine geschlossene Wolkendecke: Dicke und zum Teil dunkle Wolken in allen vier Himmelsrichtungen, kein Fleckchen blauer Himmel zu sehen.
Der Verkäuferin im Bäckerladen wurde von ihrem Chef gesagt, sie solle zu der bewußten Zeit den Laden für eine Viertelstunde schließen und nach draußen gehen. Nett von ihm, aber hoffentlich gibt es überhaupt etwas zu sehen ...

Bad Friedrichshall-Kochendorf, 08:00 Uhr
Mein Arbeitskollege hat eine Sonnenfinsternis-Brille auf dem Schreibtisch liegen, was ich mit hähmischem Gelächter kommentiere. Immer noch alles wolkenverhangen.

Bad Friedrichshall-Kochendorf, 10:00 Uhr
Die Ausrufe "eben wird es hell!" häufen sich, stellenweise reißt tatsächlich die Wolkendecke etwas auf. Wenige Minuten später ist die Firma menschenleer, alles schwärmt zu günstigen Beobachtungspunkten aus. Vor dem Eingang empfängt mich ein Sonnenstrahl. Zwar nur schwach und kurz, aber so langsam mache ich mir doch Hoffnung ...

Heilbronn, Kiliansplatz, 11:15 Uhr
Ich habe meinen Standort etwas weiter nach Süden verlegt - für Heilbronn sind 1:29 Minuten Finsternis vorhergesagt worden. Auf dem Kiliansplatz drängen sich die Menschen zwischen Freßbuden und einer Bühne, von der die letzten Sonnenfinsternis-Brillen in die Menge geworfen werden.
Der Moderator verkündet, daß der Mond um 11:13 Uhr die Sonne berührt hätte und jetzt, um 11:19 Uhr sei das schon deutlich zu sehen. Da sich auch gerade wieder eine Lücke auftut, schaut alles nach oben: Tatsächlich, die Sonne hat schon eine deutliche "Delle".

Heilbronn, Kiliansplatz, 11:30 Uhr
Eine besonders dicke Wolke platziert sich vor der Sonne und behindert die Sicht für die nächste halbe Stunde. Es fallen sogar einmal kurz ein paar Regentropfen. Oh je ...
Da sich oben derzeit nichts tut, schaue ich mich eben unten um. Mein irdisches Gelüst nach einer Bratwurst bleibt unbefriedigt. In den ganzen Freßbuden um mich herum gibt es nur Delikatessen wie Gemüsespieße und Putenhäppchen und jede Menge Wein. Ich lasse diesen ungastlichen (und beengten) Ort also hinter mir und mache mich auf die Suche nach einem geeigneten Beobachtungsplatz - immer in der Hoffnung, dass es auch etwas zu beobachten gibt ...

Heilbronn, Neckarufer, 12:00 Uhr
Ich habe mein Plätzchen gefunden: Am Ufer eines Neckar-Seitenarms. Zwar noch in der Stadt, aber idyllisch mit Enten und Sitzgelegenheit. Die Bewölkung lockert sich auch wieder auf und erlaubt die Beobachtung der fortschreitenden Verdunklung.

Heilbronn, Neckarufer, 12:20 Uhr
Langsam wird es dunkel. Aber nicht so, wie in der Dämmerung, sondern eher wie vor einem Gewitter. Die Farben wirken alle seltsam blaß, wie auf einem ausgebleichten Photo. Die Wolken ziehen weiterhin in Schüben heran - Wolke, Lücke, Wolke, Lücke, ...

Heilbronn, Neckarufer, 12:33 Uhr
... Wolke! Argh! Als das letzte Fitzelchen Sonne vom Mond verdeckt wird, ist das schon nur noch durch die Ausläufer einer besonders breiten Wolke zu beobachten. Einmal kann man kurz durch eine dünne Stelle einen Eindruck von der Korona erhaschen, dann ist wieder nichts mehr zu sehen. So ein Mist ...

Überhaupt macht die Finsternis ihrem Namen keine Ehre, denn es wird gar nicht richtig dunkel. Sterne sind jedenfalls keine zu sehen und links und rechts der bösen Wolke ist der Himmel sogar noch ausgesprochen blau. Auch die Enten auf dem Neckar scheinen noch nichts davon gehört zu haben, dass Tiere bei einer Sonnenfinsternis schlafen gehen ...

Heilbronn, Neckarufer, 12:40 Uhr
Die Sonne ist schon wieder deutlich zu sehen (die Wolke ist auch weg) und die Menge der Beobachter verläuft sich schnell.

Heilbronn, Innenstadt, 12:50 Uhr
Auf dem Kiliansplatz herrscht immer noch dichtes Gedränge, weshalb ich einen Bogen um ihn mache. Sonnenfinsternis-Brillen sind urplötzlich out - nur Kinder tragen sie noch und ab und zu wagt ein Erwachsener einen verstohlenen Blick. Der Alltag hat uns wieder ...


Von der Finsternis selbst habe ich, mangels passendem Equipment, keine Bilder machen können, aber hier sind ein paar Eindrücke von dem ganze Trubel drumherum:

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