Microboss MP3 Pocket Player

Mit dem Microboss MP3 Pocket Player gibt es erstmals einen MP3-Player, der preislich in die Nähe eines handelsüblichen Walkmans kommt: Das Gerät kostet ganze 99 DM. Doch halt, die Sache hat einen Haken: Der Player kommt ganz ohne Speicher daher. Die gute Nachricht ist, dass das Gerät ganz normale CompactFlash-Karten verwendet.

Nach dem Auspacken fällt zuerst einmal die Größe auf: Mit ca. 59x72x22 mm (BxHxT) ist der Player geradezu winzig. Und mit eingesteckter Speicherkarte und Akkus bringt er gerade einmal 81 Gramm auf die Waage. So lässt sich der Player locker in die Hemden- oder Hosentasche stecken, ohne aufzutragen.

Die Größe des MP3-Players ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass ja auch noch eine CompactFlash-Karte und zwei Akkus darin Platz finden müssen.

Bedienelemente

Der Microboss MP3 Pocket hat insgesamt sieben Tasten bzw. Schalter: Fünf Tasten auf der Frontseite sowie je einen Schiebeschalter an der linken bzw. rechten Gehäuseseite. Mit dem linken Schalter wird der Player an- und ausgeschaltet, mit dem rechten kann man die fünf Front-Knöpfe deaktivieren, damit sie nicht versehentlich betätigt werden, wenn man den Player beispielsweise in der Hosentasche hat.

Die Frontseite des Players wird geziert von einem länglichen Start/Stop-Knopf, zwei Knöpfen für die Lautstärke und zwei Knöpfen, um zum nächsten bzw. vorhergehenden Titel zu springen. Es ist nicht möglich, innerhalb eines Titels "vorzuspulen". Die Knöpfe besitzen auch keine Wiederholfunktion, so dass man sie zum Einstellen der Lautstärke oder zum Überspringen von Titeln mehrfach drücken muss.

Unter der blauen Blende an der Oberseite der Gehäusefront befindet sich eine rote LED, die leuchtet, wenn der Player eingeschaltet ist und blinkt, wenn er Musik spielt.

Erste Eindrücke

Ich hatte schon eine CompactFlash-Karte mit MP3-Titeln vorbereitet. Als erstes galt es das Rätsel zu lösen, wie herum die Karte wohl eingesteckt wird. CF-Karten haben einen kleinen Rand, um das Herausziehen zu vereinfachen und so nahm ich an, dass dieser vom Gerät weg zeigen muss. Aber nein, er muss zur Gerätemitte hin zeigen. Der Auswurf der Karte ist aber dank des Auswurfknopfes kein Problem. Die Karte falsch herum einzustecken ist, wenn überhaupt, nur mit roher Gewalt möglich, so dass dies alles kein Problem sein sollte.

Gut, die Karte ist drin. Die mitgelieferten Ohrhörer angeschlossen, den Power-Schalter auf "on" - die LED leuchtet. Ein Druck auf die Playtaste - es ist nichts zu hören. Hmm. Nochmal drücken - immer noch nichts? Um es kurz zu machen: Das Gerät funktioniert einwandfrei - man muss nur einen Moment Geduld haben. Nach dem Einschalten sucht der Player offenbar die Speicherkarte nach MP3s ab (was ein bis zwei Sekunden dauern kann) und fängt dann direkt an, den ersten Titel abzuspielen. Auf dem mitgelieferten Handzettel wird das leider nicht erwähnt.

Der erste akustische Eindruck war nicht so gut - das liegt aber an den mitgelieferten Ohrhörern, die doch einen recht "blechernen" Klang verursachen. Nachdem ich meine treuen alten Sony-Ohrhörer eingestöpselt hatte, gab es am Klang nichts mehr auszusetzen. Alle MP3s, die ich getestet habe, klingen so gut, wie MP3s eben klingen können. Und im Gegensatz zu einigen anderen billigen Audio-Geräten gibt es auch kein störendes Grundrauschen vom Player selbst.

Der Handzettel

Dem Player liegt ein Zettel im Format A5 bei, der zu drei Vierteln bedruckt ist mit kurzen englischen Texten und Zeichnungen. Darauf sind knapp, aber ausreichend, die Bedienelemente des Players erklärt, wie man eine Karte einsteckt und auswirft, wie man die Batterien wechselt, den Kopfhörer anschließt und sogar eine Schemazeichnung, dass man eine CompactFlash-Karte auch per Adapter in den PCMCIA-Slot eines Laptops einstecken kann, ist darauf zu finden. Die oben erwähnten Details (wie herum die CF-Karte eingesteckt werden muss und was der Player nach dem Einschalten macht) fehlen zwar, aber ansonsten ist wohl alles drauf. So kompliziert ist die Bedienung ja nun auch nicht ...

Wie kommt die Musik in den Player?

Wie bereits mehrfach erwähnt, benutzt der Microboss MP3 Pocket Player CompactFlash-Karten zum Speichern der MP3s. Die verwendete CF-Karte muss vom Typ I sein, womit leider das IBM Microdrive außen vor bleiben muss (das wäre aber auch zu schön gewesen: 1 GB Speicherplatz für MP3s ...).

Was auf dem Handzettel auch noch fehlt, aber in der FAQ auf der Webseite des Vertriebs zu lesen steht: CompactFlash-Karten verwenden das von DOS bekannte FAT-Dateisystem mit Dateinamen im 8+3-Format. Und damit der Player MP3-Dateien erkennt, müssen diese einem bestimmten Namensschema gehorchen: Die Dateinamen müssen auf ".mp3" enden und mit zwei Ziffern beginnen. Das lässt noch sagenhafte sechs Zeichen, um den Titel zu identifizieren ...

In der Praxis hat sich - zumindest für mich - die Namensgebung nicht als grösseres Problem gezeigt. Ich habe angefangen, mir Titelsammlungen in der Größe der von mir verwendeten CF-Karte zusammenzustellen, die ich dann bequem in einem Rutsch auf die Karte kopieren kann. Da weiß ich dann im Normalfall, welche Titel mich erwarten.

Ein großer Vorteil der Verwendung eines Standard-Speichermediums (eben CompactFlash) ist, dass man keine spezielle Software braucht, um die Musik auf den Player zu bekommen. Ein handelsübliches Schreib-/Lesegerät für CompactFlash-Karten (Kostenpunkt um 100 DM) genügt. Und so kann man die MP3-Dateien einfach vom Desktop (Mac) bzw. im Explorer (Windows) auf die Karte kopieren. Die Dateien müssen im Wurzelverzeichnis der Karte liegen, wobei sich der Player aber an anderen Dateien oder Verzeichnissen nicht stört - er sucht einfach stur nach Dateien mit dem oben beschriebenen Namensschema und ignoriert alles andere.

Und wieviel Musik bekommt man nun auf eine CompactFlash-Karte? Das hängt natürlich von deren Größe und von den Einstellungen der MP3s ab. Ich habe festgestellt, dass man mit dem Xing AudioCatalyst und den Einstellungen "Variable Bitrate (VBR)" und "VBR Quality - low" in den meisten Fällen hörbare Resultate und entsprechend kleine MP3-Dateien erzielen kann. So passen auf eine 48 MB-Karte dann etwas über eine Stunde Musik.

Beobachtungen aus der Praxis

Ich habe den Player gleich von Anfang an nur mit Akkus betrieben. Mit meinen Exemplaren (Typ AAA, 1,2 Volt, 550 mAh) spielt der Player gut dreieinhalb Stunden lang Musik.

Beim Herumlaufen in der Wohnung stellte sich gelegentlich ein "schnarrendes" Geräusch ein. Sollte der Player etwa doch nicht so unempfindlich gegen Bewegungen sein? Nein, es handelt sich um eine Interferenz mit der Basisstation meines schnurlosen Telefons. Wenn ich dieser auf ca. 50 cm nahe komme, wird der Musikgenuß durch Störgeräusche stark beeinträchtigt.

Kritikpunkte

Angesichts des Preises gibt es eigentlich keinen echten Kritikpunkt an dem Gerät. Die folgenden Punkte wollte ich trotzdem erwähnen:

Fazit

Der Microboss MP3 Pocket Player ist sicherlich kein Player für jedermann. Insbesondere, wenn man noch keine CompactFlash-Karte hat (oder deren Anschaffung nicht ohnehin plant), ist man mit einem anderen Player wahrscheinlich besser (und im Endeffekt oft sogar preiswerter) bedient.

Hat man aber schon eine CompactFlash-Karte, so ist der Microboss-Player eine günstige Gelegenheit, die Karte einer neuen Nutzung zuzuführen. Die wenigen aufgeführten Kritikpunkte kann man angesichts des Preises leicht verschmerzen, zumal sie die Hauptfunktion des Players - nämlich, Musik abzuspielen - nicht wirklich beeinträchtigen. Wer nach einem kleinen und leichten MP3-Player ohne viele Extras sucht, ist mit dem Microboss MP3 Pocket Player sicher gut bedient.

Links


$HOME | Atari | Macintosh | Ahnenforschung | Bilder | Site-Index


Valid XHTML 1.0 contents of this page written and (c) 2000 by Dirk Haun (dirk@haun-online.de),
last update: 1 November 2000