Modernes Babylon

Praktisch alle modernen Kameras verfügen über wechselbare Speichermedien. Doch, wie so oft, gibt es hier eine Fülle von unterschiedlichen Formaten und Arten.

Exoten

Bei Speichermedien für Digitalkameras denkt man vielleicht sogleich an Speicherkarten. Doch es gibt auch eher traditionelle Ansätze. Die Kameras der Mavica-Serie von Sony verfügen z.B. über ein 1,44 MB-Diskettenlaufwerk (z.T. mit doppelter Geschwindigkeit). Profi-Kameras mit Preisen deutlich im fünfstelligen Bereich haben nicht selten richtige Festplatten eingebaut. Und Kodak hat gerade eine Kamera angekündigt, die Iomegas Clik-Drive (eine Art Mini-Version des Zip-Drives mit 40 MB Speicherkapazität) verwendet.

Die Haupt-Kontrahenten

Am weitesten verbreitet sind derzeit jedoch die Formate CompactFlash und SmartMedia.

[SmartMedia-Karte]SmartMedia-Karten sind derzeit in Größen zwischen 4 und 32 MB erhältlich und werden z.B. in den Kameras von Olympus eingesetzt. Zudem gibt es Karten mit 3,3 und 5 V (zu erkennen daran, ob die abgeschrägte Ecke rechts oder links oben ist).

SmartMedia-Karten sind flacher als CompactFlash, was bei den oft vollgepackten Kameras ein Vorteil sein kann.

Ein Nachteil ist jedoch, dass der Controller zur Ansteuerung des Speichers nicht auf der Karte sitzt. Sollte es einmal größere Karten geben, wird man diese in den aktuellen Kameras nicht verwenden können, da diese wahrscheinlich nicht darauf vorbereitet wurden.


[CompactFlash-Karte]CompactFlash-Karten sind derzeit in Speichergrößen von bis zu 192 MB erhältlich - jedoch auch zu entsprechenden Preisen. Bei den Größen bis 32 MB sind die Preise ähnlich denen von SmartMedia-Karten.

CompactFlash-Karten sind zwar deutlich größer als SmartMedia (ungefähr die halbe Größe einer PCMCIA-Karte), dafür haben sie aber auch den Controller mit "on board", so dass zukünftige Karten auch von den derzeitigen Kameras noch gelesen werden können (oder zumindest: können sollten, denn es gibt natürlich immer auch mal Hersteller, die sich nicht an die Spezifikationen halten).

Besonders interessant sind CompactFlash-Karten in letzter Zeit durch die Verfügbarkeit des IBM Microdrives, einer 340 MB-Festplatte im CompactFlash-Format, geworden. Allerdings braucht das Microdrive mehr Strom als eine herkömmliche Karte und läuft dadurch nicht unbedingt in jeder Kamera.


Die Davids

Neben den beiden Konkurrenten CompactFlash und SmartMedia sowie den oben genannten "Exoten" gibt es noch weitere Kandidaten. So hat Sony eine neue Speicherkarte namens MemoryStick (wegen der länglichen Form) eingeführt und will diese natürlich als Standard etablieren. Darüber hinaus gibt es auch noch die MultiMediaCard (MMC), die man schon in MP3-Playern, aber m.W. noch in keiner Digitalkamera findet.

Und nun?

Und welches Format wird sich nun durchsetzen? Das weiß wohl keiner. Vielleicht setzt sich gar keines durch und alle existieren weiter fröhlich nebeneinander her. Oder es kommt ein ganz neues Format auf den Markt, das alle anderen verdrängt. Wer kann so etwas in dieser Branche schon vorhersehen?

Meine Meinung: Wer sich heute eine Digitalkamera mit Wechselspeicher kaufen will, sollte nur darauf achten, dass er für seinen Computer auch ein passendes Lesegerät bekommt (sonst macht der Einsatz eines Wechselspeichers ja nicht mehr so viel Sinn). Und wenn in zwei Jahren die Lage auf dem Wechselspeicher-Markt (vielleicht) klarer ist, ist die Digitalkamera ohnehin längst veraltet ...



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last update: 15 June 2000